Unter dem Motto „Buchhandlungs-Tetris“ geht es dieses Jahr um die Frage: Wie lassen sich Verkaufsflächen optimal nutzen? Im Mai startete die Projektgruppe, die nun über 12 Monate von Claudia Ordelmans (Buchhandelsexpertin) und Bennet Callies (Teamleitung Vertriebscontrolling bei Libri) begleitet wird. Die Ergebnisse werden auf dem nächsten Libri.Campus live Ende April 2027 präsentiert.
Rückblick: Was bisher geschah.
Mit dem Kick-off auf dem Libri.Campus live 2026 ging es los, und dort gab es schon die ersten Hausaufgaben: Warengruppen und Zahlen in Excel erfassen – nicht gerade aufregend, aber unumgänglich! Spannender wurde es beim Online-Workshop im Juni: Die Projektbuchhändlerinnen blieben trotz 30 Grad drei Stunden lang hochkonzentriert, als es um erste Erkenntnisse aus der Kennzahlenerhebung, Vergleichswerte und Flächenvermessung ging.
Der nächste Auftrag lautete anschließend, die eigene Fläche zu ermitteln und mit der Zahlenbasis abzugleichen: Wie viele Bücher machen auf welcher Fläche wie viel Umsatz? Und welche Maßnahmen lassen sich daraus ableiten?
Oft gab es schon vorher ein Bauchgefühl, das die Zahlen dann bestätigt haben, z. B. eine zu große Reise-Abteilung. Vor jedem Termin haben wir uns die Zahlen genau angeschaut, um mit den Buchhandlungen vor Ort sehr konkret über ihre Ansatzpunkte zu sprechen.
Zwischenstand: Sechs Buchhandlungen im Arbeitsmodus.
Claudia und Bennet haben hingeschaut, zugehört, diskutiert und für den ein oder anderen Denkanstoß gesorgt – eine Tour, die alle Beteiligten ein gutes Stück weitergebracht hat. Für uns haben die zwei ihre Eindrücke skizziert:
23. Juli: Buchhandlung Libera in Stadt Taunusstadt
Wegeführung mit fließenden Übergängen
Ein großartiger Start in Taunusstein! Sandra Reubert und Melanie Kipfmüller waren top vorbereitet und haben schon viel an Ideen umgesetzt. Ihre Buchhandlung ist geräumig, aber der Schnitt erfordert ein gutes Konzept: Ein großer Teil der Fläche ist vom Eingangsbereich aus nicht gut einzusehen – es braucht also Anreize, um die Kund*innen auch in diesen Bereich zu führen. Das ist hier das wichtigste Thema! Wir haben darüber diskutiert, wie ein Ablauf der Sortimente so gelingen kann, dass Themen organisch ineinander übergehen und die unterschiedlichen Zielgruppen trotzdem direkt finden, was sie suchen. Und das, ohne endlos viel an zusätzlichem Bestand aufzubauen.
23. Juli: Buch-Vogel in Wöllstein
Ein neuer Raum und 1.000 Möglichkeiten
Auch in Wöllstein geht es um die Führung der Kund*innen durch den Raum, die Herausforderung allerdings liegt etwas anders: Hier ist seit Januar ein kleiner Raum frei geworden, der wie ein separates Zimmer an die Buchhandlung angeschlossen ist. Für Inhaberin Antje Guffler stellt sich nun die Frage, wie der optimal zu integrieren ist: Könnte ein neues Sortiment hier einziehen? Können wir den Raum mit Events wie z. B. einem Buchclub oder Lesungen beleben? Oder machen wir vielleicht einfach die gesamte Fläche zum Wohlfühlort mit charmanten Ecken, die zum Verweilen und Umgucken einladen? Das wiederum würde bedeuten, dass einige Möbel weichen müssten … Eine spannende Ausgangslage, bei der auch die Fülle des Warenbestands von Belang ist.
24. Juli: VielSeitig & Büchergilde in Frankfurt
Hingucker beim Goethehaus
Was für eine wunderschöne Architektur! Seit ihrem Umzug vor einem Jahr neben das Frankfurter Goethehaus begeistern Lisa Stöhr und Claudia Körner nicht nur uns, sondern auch viele Menschen, die das Geschäft und seine Schätze im Vorübergehen entdecken: Durch die Laufkundschaft ergibt sich hier viel Potenzial, das jetzt auch durch die Flächengestaltung noch stärker berücksichtigt werden soll. Zum Beispiel, indem mit der Reihenfolge der Sortimente gespielt wird, oder indem man den schmalen Raum um den ein oder anderen Hingucker erweitert, der Wege unterbricht, zum Blättern und idealerweise zum Kauf einlädt. Kurz: Lisa und ihr Team machen jetzt das Beste aus einer guten Lage.
29. Juli: Der Buchladen in Haar
Schwerpunkte setzen auf 59 qm
Manuela Harm und Regina Strunden trafen wir online am Bildschirm. Den Vor-Ort-Termin in Haar holen wir im September nach! Dass diese Buchhandlung gemütliche 59 qm misst, hat die Online-Besichtigung natürlich leicht gemacht – gleichzeitig ist genau das die Herausforderung: Zum einen soll möglichst viel vom Sortiment präsentiert werden, damit bei niemandem ein Gefühl von Mangel entsteht. Andererseits gilt es, Schwerpunkte zu setzen, in denen sich die Zielgruppen sofort wiederfinden! Das gelingt schon jetzt richtig gut, finden wir. Vieles von dem, worüber wir online diskutiert haben, ist eher Feinschliff … Wir sind gespannt, was dort weiter passiert!
4. August: Fontane-Buchhandlung in Neuruppin
Geschickte Führung durch den Schlauch
In Neuruppin bei Jana Kolar-Voigt und Anja Vollmer war Bennet vor Ort und Claudia digital zugeschaltet – auch das lief problemlos. Und auch hier ging es in erster Linie darum, die Kundschaft geschickt durch den Laden zu leiten. Eine Aufgabe, die durch den schlauchartigen Schnitt des Raums zusätzlich anspruchsvoll wird: Die Buchhandlung bietet schön viel Fläche, zieht sich aber stark in die Länge mit zwei nischenartigen Einschnitten rechts und links. Wie schafft man da Themenwelten mit einer sinnvollen, ansprechenden Sortimentsabfolge? Und wie kann der hohe Lagerbestand untergebracht werden, ohne dass die Fläche vollgestellt wirkt?
7. August: Buchhandlung Terwelp in Cloppenburg
Ein Konzept für Ziel- und Spontankäufe
In Cloppenburg übernimmt Christiane Terwelp mit der Buchhandlung ihres Vaters neben einem schönen Büchersortiment auch eine Auswahl hochwertiger Schreibwaren, Geschenk- und Dekoartikel. Diese möglichst organisch in die Sortimentsabfolge zu integrieren ist aktuell die große Herausforderung. Gleichzeitig soll der Buchumsatz erhöht werden! Für Christiane war es wichtig, zu klären: Welche Themen interessieren welche Zielgruppen? Wie stellt man Sortimentsbereiche in einen räumlichen Zusammenhang? Wie funktioniert das Zusammenspiel von Büchern und anderen Waren? Hier geht es einerseits um die appetitliche Präsentation – dafür hat sie ein Händchen! – und zum anderen darum, Zielkäufe und Spontankäufe strategisch geschickt zu platzieren: Der Zielkauf bekommt ab sofort den weniger prominenten Platz im Laden!
Ausblick: So geht es weiter.
Sechs Buchhandlungen mit ganz unterschiedlichen Herausforderungen und Ausgangslagen – die Woche war für alle Beteiligten spannend und bereichernd! Jetzt geht es in die heiße Phase, denn schon im September soll für alle der Testlauf beginnen. Und danach werden wieder Zahlen analysiert: Zeichnen sich erste Trends ab? Welche Maßnahmen zeigen Wirkung? Wo lässt sich noch optimieren?
Das Ziel ist, mit einem neuen Flächenkonzept in die Vorweihnachtszeit zu starten.
Ich bin total gespannt auf die Erkenntnisse aus dem Testlauf und freue mich riesig auf unseren zweiten Workshop im Oktober. Wenn dann die Zahlen aus dem Weihnachtsgeschäft vorliegen, wird es nochmal aufregend. Für die nächsten Wochen wünsche ich allen ganz viel Energie bei der Umsetzung ihrer Konzepte!