Bookstore Crawl Hannover

Auf Schnitzeljagd im Buchrevier

Gemeinschaftsprojekt Bookstore Crawl: Was es ist, was es bringt – und was es für Kund*innen und Händler*innen so spannend macht.

27. April 2026 Lesedauer 6 min 0

Das Thema Bookstore Crawl brachte im April zahlreiche Buchhändler*innen online beim Campus.Dialog zusammen – und viele von ihnen auf neue Ideen! Zu Gast waren die „Pionierinnen“ Frederike Schuur (Buchhandlung Sternschnuppe, Hannover @sternschnuppe.buchhandlung) und Julia Erlen (Buchhandlung Winnemuth, Hann. Münden @buchhandlungwinnemuth), um live von ihren Erfahrungen zu erzählen. Für alle, die nicht dabei waren, fassen wir hier die wichtigsten Infos noch einmal zusammen.

Wie funktioniert ein Bookstore Crawl?

Kurz: Mehrere Buchhändler*innen einer Stadt veranstalten gemeinsam eine Schnitzeljagd durch die Buchhandlungen. Die Teilnehmenden ziehen von Laden zu Laden, wo sie sich jeweils einen Stempel abholen. Extras vor Ort, z. B. Mitmach-Events, Aktionstische oder Stöberabende nach Ladenschluss, werden von den Buchhandlungen individuell organisiert. Den Stempelpass gibt es als Flyer in der „Startbuchhandlung“. Wer ihn am Ende gestempelt abgibt, nimmt an einer Verlosung teil, bei der z. B. Bücherpakete und Gutscheine zu gewinnen sind. Dass dieses Konzept ankommt, zeigt die Bilanz der Buchhandlung Sternschnuppe.

Frederike Schuur | Sternschnuppe Buchhandlung Hannover

Schon im zweiten Jahr hatte sich die Zahl unserer Besucher*innen mehr als verdoppelt.

Frederike Schuur | Buchhandlung Sternschnuppe

Im Mittelpunkt steht nicht der Verkauf, sondern die Community.

Dass ein Bookstore Crawl auch den Verkauf ankurbelt, steht außer Frage. Doch das ist, so Frederike Schuur, nicht der zentrale Gedanke dahinter. Stattdessen geht es darum, den stationären Handel (wieder) als Ort der Begegnung wahrzunehmen — mit Vorteilen für alle:

Die Community stärken: Buchfreund*innen finden vor Ort zusammen, diskutieren, empfehlen sich Lesenswertes — das trifft heute auf offene Ohren.

Innenstädte beleben: Ob zu Fuß, per Rad oder Bus von Laden zu Laden — ein Crawl wirkt der Verödung der Einkaufsstraßen entgegen.

Neue Kund*innen gewinnen: Auch wer nicht sofort kauft, behält die Buchhandlung häufig im Kopf — und kommt später gern wieder.

Gamification-Faktor: Das Spielerische weckt auf sympathische Art unseren Ehrgeiz und bedient nicht nur bei Kindern und Jugendlichen einen starken Trend.

Vernetzung statt Konkurrenz: Auch die Buchhändler*innen bereichert der fachliche und persönliche Austausch mit Kolleg*innen.

Imagegewinn für den unabhängigen Buchhandel: Jede einzelne der inhabergeführten Buchhandlungen hat ihr eigenes Profil, ihren eigenen Schwerpunkt. Das macht die Tour abwechslungsreich und spannend  — und den Buchhandel erlebbar!

Einzelhandel statt Buchhandel: Der „Münden-Crawl“

Julia Erlen gefiel das Konzept so gut, dass sie sich etwas einfallen ließ: „Wir sind ja die einzige Buchhandlung im kleinen Hann. Münden“, sagt sie. Ihre Lösung: Sie fragte bei Einzelhändlern in der Innenstadt an, von Concept Store bis Fleischerei. Und machte aus dem Bookstore Crawl kurzerhand den Münden-Crawl.

Julia Erlen | Buchhandlung Winnemuth

Im Fokus steht bei uns natürlich nicht das Buch, sondern die Stärkung des stationären Einzelhandels.

Julia Erlen | Buchhandlung Winnemuth

Den Zeitraum begrenzte sie auf einen Werktag mit verlängerter Öffnungszeit. So war die Resonanz gut zu bewerten. Alle Händler*innen waren fußläufig zu erreichen und zuvor auch persönlich angesprochen worden. „Lange dauerte es nicht, Mitmachende zu finden. Und letztlich haben alle Geschäfte profitiert!“ Der nächste Termin ist bereits in Planung.

Der Aufwand ist nicht zu unterschätzen. Spaß macht es aber auch!

Die Frage nach dem Organisationsaufwand beschäftigte viele der Teilnehmenden beim Campus.Dialog. Der sei nicht zu unterschätzen, aber auch gut vorzubereiten — darin waren sich Julia Erlen und Frederike Schuur einig. Ihre wichtigsten Punkte:

Die Akquise
Händler*innen müssen rechtzeitig angesprochen werden, entweder persönlich wie in Hann. Münden oder per E-Mail, wie es Frederike Schuur gemacht hat.

Die Werbung
Für Reichweite sorgen z. B. Ankündigungen über Social Media-Kanäle und Plakate im Schaufenster, aber auch Veröffentlichungen und Termin-Einträge in regionalen Stadtmagazinen. Respekt: Der Bookstore Crawl Hannover schaffte es in den NDR und mit großem Bild auf das Titelblatt der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung!

Wer jetzt Lust auf einen Crawl in seiner Stadt bekommen hat,

  • besucht den Instagram-Account des Bookstore Crawl in Hannover für weitere Inspiration oder
  • hört den Podcast „Neue Kapitel“, bei dem Frederike Schuur zu Gast war, oder
  • liest den Börsenblatt-Artikel „Man muss nur da sein“ und vernetzt sich mit weiteren Kolleg*innen oder
  • spricht Frederike Schuur und Julia Erlen persönlich an. Beide sind in der nächsten Woche beim Libri.Campus live in Bad Hersfeld!

Der Flyer als Stempelpass
Gestalten, drucken lassen, auslegen bzw. verteilen — das erforderte, so die zwei Veranstalterinnen, am meisten Zeit. Die entstehenden Kosten können sich die teilnehmenden Buchhandlungen teilen. Beim zweiten Durchgang geht es dafür viel schneller, und die Anpassungen machen es günstiger! Der Tipp: Eine gemeinsame E-Mail-Adresse anlegen, um z. B. die Gewinner*innen zu benachrichtigen. Mit einem Feld zum Ankreuzen lässt sich direkt das Einverständnis einholen, im nächsten Jahr per E-Mail über die Veranstaltung informieren zu dürfen.

Die Auszählung
Die Stempel auf den abgegebenen Pässen nehmen am Ende an der Verlosung teil. Dabei definiert jeder Crawl seine eigenen Regeln. In Hannover wandern sie zum Beispiel erst ab dem dritten Stempel in den Lostopf. Das waren im ersten Jahr 422 Lose, im zweiten bereits 1.145! Wer hinterher wissen will, welche Läden am stärksten besucht waren, zählt die einzelnen Stempel.

Die Verlosung
Verlost werden z. B. Buchpakete einzelner Läden oder Verlage oder auch Gutscheine. Daneben gilt es, potenzielle Sponsoren anzusprechen, die z. B. Tickets für Literaturveranstaltungen spenden können. Alle Preise werden im Nachgang in der jeweiligen Buchhandlung abgeholt.

Der finanzielle Aufwand
„Extrageld gibt es für keinen“, sagen beide Veranstalterinnen. Allerdings lohnt es, bei Freunden nachzufragen: So gab es z. B. für den Bookstore Crawl in Hannover einen freundlichen Zuschuss vom Börsenverein Nord!

Der beste Zeitpunkt? Bevor das Weihnachtsgeschäft beginnt.

Dass die Woche unabhängiger Buchhandlungen ausgewählt wurde für den Hannoverschen Bookstore Crawl, ist kein Zufall: Thematisch passt sie perfekt, um die Vielfalt des unabhängigen Buchhandels sichtbar zu machen. Zudem ist von Weihnachtshektik noch nichts zu spüren, dennoch haben die meisten das Fest als „Geschenkauftrag“ bereits im Hinterkopf. „Der Zeitpunkt ist optimal für eine Woche Bookstore Crawl“, so Frederike Schuur. Einmal in Gang gebracht, sei die Veranstaltung sowieso ein Selbstläufer: „Im Laden stöbern, diskutieren, Kontakte knüpfen – das machen die Teilnehmenden alle selber.“

 


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