Hände hoch! Wie zuversichtlich seht ihr eure persönliche Zukunft? Wie die von Deutschland, von Europa, der ganzen Welt? Bereits im Impulsvortrag zog Katharina Ehrenmüller vom Ministerium für Neugier und Zukunftslust ihre Zuhörer*innen direkt ins Thema. Sahen die meisten ihre persönlichen Perspektiven noch optimistisch, so bekannten sich lediglich drei Teilnehmende zur globalen Zuversicht — ein Phänomen, das Katharina Ehrenmüller in klugen, inspirierenden Betrachtungen aufgriff. „Zukunft ist kein Versprechen, sondern ein offener Gestaltungsraum“, so Ehrenmüller.
Diesen Raum wussten die knapp 200 Teilnehmenden des Libri.Campus live mit Begeisterung und Kreativität zu nutzen: Die größte deutsche Weiterbildungsveranstaltung für den inhabergeführten Buchhandel ging mit neuer Konzeption in die nächste Runde!
„Das Storybattle war Adrenalin pur!“
Mit besonderer Spannung wurde dabei die Suche nach den „Kooperations-Champions“ erwartet, die als neues Format für Bewegung sorgte: Über mehrere Runden wurden Kooperationsideen und -erfolge geteilt und gepitcht. Robert Duchstein, Campus-Moderator, und Caren Degen, Campus-Projektleiterin, moderierten am Donnerstag den freundschaftlichen Wettkampf mit hohem Unterhaltungsfaktor und begeistertem Feedback: „Tolle Idee, hat total viel Spaß gemacht!“, so der Tenor.
Nach 90 Minuten standen drei Gewinner*innen fest. Bis Freitagmorgen blieb es aber für alle spannend, bis die Ideen in der vollen Benno-Schilde-Halle präsentiert wurden. Und dann gab es noch einen unerwarteten Programmpunkt: Der Libri.Campus-Preis in Höhe von 500 € ging in diesem Jahr an die Kooperations-Champions 2026.
- Jacqueline Kampschroer, Buchhandlung Siebzehn56
- Christina Kelm, Lesekatze – Bücher und mehr
- Christiane Köhn-Ladenburger, Kleine Schusterwerkstatt
Über die Kooperations-Ideen unserer Champions werden wir noch im Libri.Magazin berichten.
„Empathisches Zuhören geht weiter als aktives Zuhören.“
Zu diesem Schluss kam die Workshop-Gruppe rund um Elena Appel und Johanna Cantzler vom Mediacampus Frankfurt. Im Fokus stand der Dialog mit der Kundschaft, und auch hier wurde in kleinen Teams gearbeitet: Die Buchhändler*innen versetzten sich in praxisnahe Verkaufssituationen mit unterschiedlichen Zielgruppen und erweckten diese auf der Bühne zum Leben. Dabei zeigte sich schnell, dass die Art und Weise des Nachfragens entscheidend ist, um Kund*innen gegenüber Zuwendung und echtes Interesse zu signalisieren. Versteckte Talente wurden dabei übrigens auch entdeckt: Die Rollenspiele brachten das Schauspieltalent so mancher Buchhändler*innen ans Tageslicht!
„Claude AI ist wie ein virtueller Assistent.“
So beschrieb es die KI-Beraterin Katja Krause in ihrem Praxis-Impuls zur KI-gestützten Kommunikationsplanung. Sie präsentierte das KI-Tool Claude Projects als dauerhaftes Wissensgedächtnis und führte dies anhand einer fiktiven Buchhandlung vor. Im Vergleich zum bisher bekannten Chaten mit KI-Anwendungen lernt das KI-Tool die Buchhandlung dauerhaft kennen, merkt sich das bevorzugte Sortiment, die Zielgruppen und den „Tone of Voice“. Es geht also um weit mehr als nur das Erstellen von Texten, was bei den Zuhörer*innen auf reges Interesse stieß. Kommunikationsplanung mit KI erleichtert die Kommunikationsplanung über verschiedene Kanäle wie Newsletter oder Social Media und reduziert den Zeitaufwand erheblich. Eine Schritt-für-Schritt-Anleitung steht allen Interessierten als Download zur Verfügung.
Große Themen und konträre Blickwinkel
Sichtbarkeit, Kommunikation – und wie beides für den Buchhandel zusammenspielt: Dieses Grundthema stand nicht nur bei den Workshops im Fokus, sondern wurde auch von weiteren Expert*innen aus unterschiedlichen Blickwinkeln beleuchtet. So ging es bei Chantal Sebrantkes Vortrag „Buchwelten inszenieren“ um die Frage, wie es Buchhandlungen heute gelingt, über Schaufenstergestaltung und Flächenpräsentationen Geschichten zu erzählen, die bei Kund*innen ankommen. Und Daria Razumovych stellte 6 Faktoren für den Erfolg auf Social Media vor. Als konkrete Hilfestellung für die Planung und Gestaltung von Social-Media-Kanälen brachte die Social-Media-Expertin eine Checkliste mit. Diese kam direkt zur Anwendung: Mutige Buchhändler*innen zeigten ihre Instagram-Posts und gemeinsam mit dem Publikum ging es in die Analyse.
Spannend, wie kontrovers es in der Forumsdiskussion „Neugier als Verkaufsmotor“ zuging: Während Sebrantke die Zielgruppenanalyse als zuverlässige Grundlage für Marketingmaßnahmen sah, vertrat Razumovych einen anderen Ansatz. Aus ihrer Sicht sollten nicht Personas, sondern Interessen im Fokus stehen, die wiederum zielgruppenübergreifend bestehen können. „Das hat viel an Diskussion und Austausch freigesetzt,“ freute sich Libri Vertriebsleiter Bertram Pfister. „Und genau darum geht es hier.“
Vom Abgeben und Weitergeben
… sprachen die Expertinnen im Rahmenprogramm. Gudula Buzmann (LOESUNG) erläuterte beim Thema Nachfolge, wie Verantwortung schrittweise und gut geplant abgegeben werden und ein „Mitunternehmertum“ gelingen kann. Ein sinnvoller Weg, um Buchhandlungen zu erhalten und Mitarbeiter*innen langfristig für die Nachfolge zu gewinnen!
Nora Schott wiederum hatte wertvolle Anregungen zur Leseclub-Arbeit in der Buchhandlung im Gepäck. Als Projektleiterin bei den „Literanauten“ erklärte sie anhand vieler Best-Practice-Beispiele, wie Leseförderungsprojekte für Jugendliche funktionieren können: Junge Menschen werden aktiv in die Gestaltung eines Leseclubs einbezogen und geben damit ihre Freude an Büchern an andere weiter. „Ich unterstütze alle, die gern ein eigenes Literanauten-Projekt starten möchten“, versprach sie.
Mehr Zeit für „Buchhandels-Tetris“
Drei Monate reichen nicht! Das war das klare Feedback zu den Libri.Campus-Projekgruppen der letzten Jahre. Deshalb darf sich die neue Projektgruppe künftig mehr Zeit für Entwicklung, Umsetzung und Bewertung ihrer Konzepte nehmen: Am Donnerstag fiel zunächst der Startschuss für das neue Projekt „Buchhandels-Tetris: Verkaufsfläche optimal nutzen“, dessen Ergebnisse auf dem Libri.Campus live 2027 präsentiert werden. Sechs Buchhandlungen haben mit der Arbeit begonnen – wir werden berichten.
Der Abend: Nachschlag für alte Hasen und neue Freunde
Wild und laut verlief der Donnerstagabend für die einen, entspannt und gesellig für die anderen, nur Langeweile fand überhaupt nicht statt – so die kurze Online-Stimmungsumfrage am Freitag. Beim Essen standen vor allem Updates, Networking und viel Wiedersehensfreude im Vordergrund: „Ganz viele neue Kolleg*innen kennengelernt, alte Bekannte wiedergetroffen, tolle Gespräche geführt,“ fasste es eine Buchhändlerin zusammen. „Trotzdem ich ein alter Hase bin, ist es immer wieder toll, neue Leute und Ideen kennenzulernen,“ eine andere. Ein runder Abend, der sich für manche bis tief in die Nacht zog.
Dank an die Campus-Community
Der Libri.Campus lebt von der Neugier, mit der die Teilnehmenden nach Bad Hersfeld kommen — von der Neugier auf neue Themen und Erkenntnisse, auf Menschen, ihre Erfahrungen und den Austausch untereinander. Unser Dank geht damit an alle, die mit ihren Beiträgen, ihren Fragen und ihrer Offenheit – kurzum mit ihrer Teilnahme – den Libri.Campus bereichert haben!
Erster Rückblick
„Viel Begeisterung, viel konstruktives Feedback und jede Menge Anregungen fürs nächste Jahr“, fasst Campus-Projektleiterin Caren Degen zusammen. Diese Meinung teilt auch die Online-Redaktion von Langendorfs Dienst: „Auch die wohl innovativste Fortbildungsveranstaltung der Buchbranche hat sich weiterentwickelt“, hieß es dazu im Bericht. Wir sind schon gespannt, was sich das Campus-Team für das nächste Jahr ausdenkt.
Bleiben Sie neugierig!
Bis zum nächsten Jahr beim Libri.Campus live am 29. bis 30. April 2027.