Herzlichen Glückwunsch – du bist Kooperations-Champion beim Storybattle! Wie hast du dieses neue Format erlebt?
Ich glaube, von uns wusste keiner, was so auf einen zukommt. Ich hatte mich angemeldet, weil ich einfach dachte, Kooperationen find‘ ich super … Spannend und inspirierend war es! Überrascht hat mich, dass es gleichzeitig auch eine Herausforderung war, die eigene Idee immer wieder gegen die der anderen zu vertreten.
Mit welcher Koop-Idee bist du angetreten?
Mit unserem Buchmagazin FOU: Jedes Heft hat ein eigenes Thema, z. B. „Leipziger Buchmesse“, „Japan“ oder „Sinnlichkeit“. Und zu jeder Ausgabe suchen wir passende Kooperationspartner, ob das jetzt ein Restaurant ist, ein Dessousladen oder ein Poledance-Workshop. Mit einem Podcast wollte ich dieses Konzept erweitern.
Warum ein Podcast?
Als ich zuletzt mit unserem Verlag auf der Buchmesse war, habe ich viele Interviews geführt und dabei gemerkt, wie viel Spaß mir das macht. Und dass mir genau das ein wenig fehlt: Gespräche, verschiedene Themen und Perspektiven – all das macht unsere bunte, vielfältige Branche einfach noch lebendiger.
Wir müssten alle viel mehr kooperieren, damit die Bücherwelt interessant bleibt – mit der ganzen Kultur, die damit verbunden ist.
Wie hast du dir das Handwerkszeug angeeignet?
Mit einem Podcast-Kurs bei Bücheralarm. Den ich übrigens allen Interessierten empfehlen kann! Bücheralarm selbst ist ja ein tolles Projekt, bei dem Kinder und Jugendliche Podcast-Beiträge über Bücher produzieren. Ich habe drei Kurstage am Mediacampus Frankfurt verbracht, mit ganz unterschiedlichen Leuten, das war schon superinteressant.
Was braucht man außerdem?
Ein gutes Online-Studio, z. B. Riverside, das kostet natürlich auch etwas. Und Mikro und Kopfhörer, aber die müssen nicht teuer werden.
Dein Tipp für alle, die es versuchen wollen?
Vor allem: Zeit einplanen! So ein Beitrag dauert viel länger als man vielleicht denkt.
Bei deinem nächsten Podcast geht es um Leseförderung …
Ja, wir haben da mit sechs Kindern einen Leseförderungs-Podcast gemacht in der Stadtbibliothek, das war wirklich cool. Also die Podcasts sind alle schön für mich, ich liebe diese Gespräche einfach!
Wie ist die Resonanz?
Ehrlich gesagt haben viel mehr Leute den Podcast abonniert, als ich gedacht hatte. Aber die Resonanz ist bei einem Print-Magazin natürlich messbarer – und manchmal auch überraschend: Das Heft zum Thema Sinnlichkeit zum Beispiel haben in Köln und Norddeutschland sehr viele Buchhandlungen bestellt, in Süddeutschland dagegen kaum einer!
Wie lässt sich ein Projekt wie das FOU Magazin finanzieren?
Wir machen die Gestaltung und den Text komplett selbst. Auch, weil schnell klar war, dass eine normalgroße Buchhandlung es sich gar nicht leisten kann, das auszulagern. Die Buchhandlungen, die FOU bestellen, zahlen dann nur den reinen Druckpreis.
Wie hast du FOU bekannt gemacht?
Das lief über den eBuch-E-Mail-Verteiler sehr gut an, da haben ganz viele direkt mitgemacht. Manche bestellen nur drei Stück, andere direkt 200 – das variiert stark.
Die „Kleine Schusterwerkstatt“ ist mehr als eine Buchhandlung: Zum Programm gehören Ausstellungen, Literatur-Salon, Wein-Tasting, Café usw. … Ganz schön viel!
Stimmt, ich bin damit aber nicht allein: Wir sind ein Team aus sieben Frauen, die das gemeinsam stemmen – Buchhandlung und Café, Projektteam-AG, Magazin und Podcast.
Erzähl‘ mal was zu eurem Konzept!
Wir mussten uns einfach was Gutes überlegen. Schließlich haben wir keine 1A-Lage in der Münchener Innenstadt, sondern Bopfingen – und hier auf dem Land gibt es keinerlei Laufkundschaft. Wir müssen die Menschen also abholen mit spannenden Events, ihnen wirklich einen Mehrwert bieten, wo sie sagen: Okay, ich entdecke neue Bücher, habe Spaß, treffe interessante Menschen, probiere vielleicht einen guten Wein … Das funktioniert!
Die Buchhandlung als Ort der Begegnung?
Das war ja schon Thema auf dem Libri.Campus: Dass das Menschliche wieder wichtiger wird, weil wir alle das Bedürfnis haben, miteinander zu reden, uns auszutauschen und auch inspiriert zu werden. Wenn wir dafür einen Raum schaffen, kann eine tolle Dynamik entstehen.
Wie kam es zu der Kombination aus Agentur, Laden, Magazin und Café?
Wir hatten früher eine Marketing-Agentur, bevor wir den kleinen Laden in Bopfingen entdeckt und renoviert haben: unsere Buchhandlung! Das war zuerst nicht leicht, und wir haben dann z. B. mit Bioprodukten und Frühstücksangeboten erweitert, um überleben zu können. Als uns die alte Schusterwerkstatt direkt hinter dem Laden angeboten wurde, haben wir die Chance genutzt und sind mit der Agentur eingezogen. Heute können wir zwischen Café, Laden und Agentur hin- und herwechseln! Unsere Mitarbeitenden finden das genial, weil sie alle auch gern lesen und Kaffee trinken. So konnte auch die „FOU“ entstehen.
Das Beste an dem, was ich mache: Dass ich meine Begeisterung weitergeben kann für Dinge und Bücher, die ich cool finde.
Du bist vielseitig aktiv – als Autorin, Buchhändlerin, Verlegerin, Malerin … Was ist dein Antrieb?
Kreativität. Ich mag es, Themen auf unterschiedlichen Ebenen darstellen und vermitteln zu können.
Wo bist du am meisten zuhause?
Als Autorin, glaube ich – beim Schreiben, aber auch beim Lesen.
Wie geht es weiter?
Mit dem nächsten Podcast 🙂