Wie ukrainische Bücher zu Libri kamen

Seit Mitte April können Buchhandlungen bei uns ukrainische Kinder- und Jugendbücher bestellen. Wie die Bücher zu uns kamen und wie sich Libri noch engagiert, lesen Sie in diesem Artikel.

29. Juni 2022 Lesedauer 4 min 0

Mit Beginn des Krieges in der Ukraine war schnell klar, dass Libri helfen möchte – und nicht nur mit Spenden. Mit den vielen flüchtenden Menschen stieg auch die Nachfrage nach ukrainischen Büchern hier in Deutschland. So konnte Libri mit dem Bezug von ukrainischen Büchern nicht nur mit dem Buchmarkt in der Ukraine als Partner zusammenarbeiten, sondern auch geflüchteten Familien in Deutschland ein Stück Heimat in Form von Büchern bereitstellen. Die Beschaffung der Bücher stellte sich als große Herausforderung heraus, da wir in kurzer Zeit unbürokratisch und schnell helfen wollten. Aber der Reihe nach:

Den Anstoß für das Vorhaben und die ersten Kontakte zu ukrainischen Verlagen war ein Besuch unseres Kundenberaters Ralph Patzig:
Es begann bei meinem Besuch in Frankfurt/Oder am 17.03.2022 mit der leidenschaftlichen Bitte von Katja Micklich von der Hutten-Buchhandlung: Libri solle unbedingt ukrainische Kinderbücher ans Lager nehmen!

So wurde mit einigen Umwegen ein erster Kontakt zum ukrainischen Verlag Nashformat und der Mitarbeiterin Larissa Kot gefunden – zu einer Zeit, wo niemand in Kiew auf die Straße ging.

Ein Team bei Libri mit Kolleg*innen aus Datenmanagement, Einkauf, Marketing, Libri.Shopline und Vertrieb verfolgten den Wunsch mit viel Elan weiter. Auch Frau Micklich (Buchhandlung Ulrich von Hutten) half mit viel Leidenschaft, wo sie konnte: bei der Kommunikation auf Ukrainisch mit Nashformat und bei der Auswahl der Titel, gemeinsam mit Larissa Kot. So wurden in nur wenigen Tagen Bestellungen bei verschiedensten Verlagen ausgelöst. Schließlich waren fast alle bestellten Kinder- und Jugendbücher in je 100 Exemplaren in Lwiw in der Westukraine angekommen und wurden auf einen LKW verladen. Ein Titel eines Verlages aus Charkiw fehlte, weil es in der Nähe der Stadt Kämpfe gab und der Transport nicht durchkam.

Die erste für Libri bestimmte Lieferung fuhr am 8. April in Lwiw los und kam in der Nacht vom 12. April im Logistikzentrum Bad Hersfeld an. Auch dort waren alle Kolleg*innen vorbereitet und die Einlagerung der 5.000 Bücher konnte beginnen.

Eine Frau lagert ukrainische Titel in das Libri-Lager ein.
Auch Harry Potter in ukrainischer Sprache fand seinen Weg nach Bad Hersfeld ins Logistikzentrum.

Insgesamt hat Libri rund 65 Kinder- und Jugendbuchtitel und 15.000 Bücher mit weiteren Lieferungen in den Katalog aufgenommen. Alle Titel sind über die Libri-Systeme mit dem Stichwort „Nashformat“ auffindbar.

Larissa Kot vom Nashformat ist sehr dankbar, dass Libri die ukrainische Buchbranche mit dem Kauf der Bücher unterstützt:
„Es ist für uns jetzt sehr wichtig zu hören, dass wir unterstützt werden, dass wir nicht umsonst arbeiten. Jetzt sind alle Ukrainer und Ukrainerinnen durch eine unsichtbare Kraft vereint, sowohl die in der Ukraine als auch die im Ausland. Aber es ist sehr schwierig für uns. Bitte übermitteln Sie allen unsere große Dankbarkeit dafür, dass es eine Brücke gibt, die uns Menschen verbindet, uns Glauben und Kraft gibt.“

Auch in den Buchhandlungen finden die Bücher auf Ukrainisch prominente Plätze und werden von geflüchteten Familien, Initiativen für Geflüchtetenhilfe und Bildungseinrichtungen dankbar angenommen. So wie in der in der Buchhandlung Wandlitz. An eine Begegnung erinnert sich Inhaberin Melanie Brauchler besonders gern zurück:
„Ein neunjähriger Junge kam mit seiner Mutter in die Buchhandlung und suchte nach Schreibwaren, wir zeigten ihm den Weg zum richtigen Laden, aber auch unser Sortiment an ukrainischen Büchern. Sofort entdeckte er den ukrainischen Harry Potter-Band. Mutter und Sohn hatten beide Tränen in den Augen, wurden ganz aufgeregt und kauften es direkt. Der Junge war überglücklich, ein Stück Heimat in Form eines Buches in den Händen zu halten. Dieser Kundenbesuch hat uns wirklich sehr bewegt und wir hatten noch lange danach Gänsehaut.“

Ukrainische Kinderbücher liegen in der Buchhandlung aus
Ukrainische Kinder- und Jugendbücher in der Buchhandlung Wandlitz schaffen emotionale Begegnungen. © Buchhandlung Wandlitz

Darüber hinaus hat Libri weitere Aktionen unterstützt und initiiert, die ukrainische Geflüchtete unterstützen und hier vor Ort über die Vielfältigkeit des Landes informieren:

Eine Ukrainekarte für Schulen und Kindergärten

Der Moritzverlag hat zusammen mit dem polnischen Illustratoren-Duo Aleksandra Mizielinska und Daniel Mizielinski ein A1-Plakat herausgebracht. Der Verlag möchte Kindern die Ukraine näher bringen und das Plakat Schulen über den Buchhandel zur Verfügung stellen. Anfang April erhielten Buchhandlungen über eine Wannenbeilage ein Ansichtsexemplar und konnten weitere über die EAN kostenfrei zum Verteilen beziehen (aktuell vergriffen).

Kinderbuch „Wilma Wochenwurm: Neu hier“

Die Kinderbuchautorin Susanne Bohne hat ihre Reihe „Wilma Wochenwurm“ fortgesetzt – gemeinsam mit BoD auch in einer ukrainischen Version. Im neusten Band erzählt Wilma Wochenwurm Kindern ab 5 Jahren in Kita, Kindergarten und Grundschule eine Geschichte über Geflüchtete und über eine große Freundschaft, der es egal ist, welche Sprache wir sprechen und aus welchem Land wir kommen. Die Bücher sind über die EAN 9783756200450 und die ukrainische Version über EAN 9783756208951 zu beziehen.

Das Kinderbuch "Wilma Wochenwurm" auf ukrainisch liegt auf einem Tisch.
Die kindgerechte Ukraine-Karte vom Moritzverlag
Wilma Wochenwurm – auch auf ukrainisch © BoD

Spendenaktion der Libri-Gruppe

Die furchtbaren Auswirkungen des Kriegs in der Ukraine hat die Libri-Unternehmensgruppe zutiefst erschüttert. Die Libri- und BoD-Mitarbeitenden haben im März gemeinsam eine Spendenaktion gestartet und 36.000 € in kürzester Zeit für eine schnelle Hilfe gesammelt. Die Spendengelder gingen in gleichen Teilen an die Organisationen „Der Hafen hilft – Hilfe für die Ukraine“ und HSP Charity e.V. „Schnelle Hilfe für die Ukraine“, die Hilfsgüter an die polnische und rumänische Grenze bringen.


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