„Neugierig“ heißt das Motto für den Libri.Campus live 2026, und das darf ruhig wörtlich genommen werden. Die „Gier nach Neuem“ als Schlüsselkompetenz für die Zukunft war Ausgangspunkt für die diesjährige Konzeption, sagt Campus-Projektleiterin Caren Degen: „Sie macht uns mutiger und motiviert uns, unbekanntes Terrain zu entdecken.“
Diesen Ansatz hat das dreiköpfige Team zum Anlass genommen, das Campus-Konzept selbst zu hinterfragen. Zusammen mit Bertram Pfister (Libri Vertriebsleiter) und Robert Duchstein (Campus-Moderator) erläutert Caren Degen die Hintergründe und wesentlichen Veränderungen in 2026.
„Gier kann man auch sehr positiv besetzen.“
Ist Neugier also ein erstrebenswerter Zug für die Buchbranche?
Bertram Pfister: Auf jeden Fall! Ein bisschen Adrenalin und Tatendurst, und nicht genau zu wissen, was einen diesmal auf dem Libri.Campus live erwartet: Auch das gehört dazu! Unsere Grundprämisse bei Libri war schon immer, dass wir Dinge verändern wollen, Gewöhnung führt schnell zu Trägheit und Langeweile.
Robert Duchstein: Die Teilnehmenden sind ja auch Unternehmer*innen, die sich alle in einem sehr herausfordernden Marktumfeld behaupten. Das gelingt nur, wenn man eine gewisse Flexibilität und Neugier an den Tag legt. Man muss schon ein wenig gierig sein auf Erfolg, gerade im Buchhandel.
Neu sind die drei Parallelslots am Donnerstag. Was steckt dahinter?
Caren Degen: Nach jedem Libri.Campus live bitten wir die Teilnehmenden um ihr Feedback. Neben sehr großem Zuspruch bekommen wir auch immer konkrete Anregungen, die wir uns sehr genau anschauen – diesmal zum Beispiel den Wunsch nach mehr Austausch untereinander und Angeboten zum Mitmachen.
Solche neuen Formate funktionieren aber nicht mit 200 Menschen in der Schilde-Halle! Deswegen können sich die Teilnehmenden diesmal eins von drei Themen aussuchen, da sind die Gruppen dann entsprechend kleiner.
Robert Duchstein: Beim „Storybattle“ kommt zum Beispiel richtig Bewegung ins Spiel! Es werden Kooperations-Ideen gepitcht, von „Haben wir mal gemacht“ bis zu „Müsste man unbedingt mal machen“. Mit jeder neuen Runde entscheiden sich die Teilnehmenden für den Ansatz, der ihnen besonders vielversprechend erscheint, bis am Ende die besten Ideen übrigbleiben. Auf dem Weg dahin begegnen einem natürlich viele Aspekte und Teilaspekte, die man als Buchhandlung mitnehmen kann.
„Koop-Ideen helfen, gegen die Großen anzukommen.“
Ist Kooperation heute ein Erfolgsrezept?
Robert Duchstein: Zusammenarbeit kann einfach Vorteile bringen, gerade angesichts der innerstädtischen Entwicklung. Inhabergeführte Geschäfte sind ja oft nicht groß und haben keine 30 Beschäftigten; da ist es sehr sinnvoll, wenn man z. B. mit anderen Einzelhändler*innen oder Gastronom*innen kooperiert. Das muss nicht mal produktbezogen sein, auch Marketingkooperationen geben viel her. Um gegen die Großen der Branche anzukommen, braucht es vor allem clevere Ideen. Wir können da ruhig selbstbewusst auftreten als Buchhändler*innen! Schließlich haben wir ein fantastisches Produkt anzubieten, bewegen ganz viel und sind ein wichtiger Akteur für die Vielfalt in unserem Land.
Wie soll ich mich da für eins der Themen entscheiden?
Caren Degen: Gar nicht so einfach, aber ich bin mir sicher, dass für jede*n etwas dabei ist! Außerdem verpasst man nichts – wir greifen die Themen am Freitagmorgen nochmal auf, und das Wesentliche steht sowieso in den Teilnahmeunterlagen.
Auch das Rahmenprogramm wurde erweitert. Warum?
Bertram Pfister: Nachfolge und Leseförderung tauchen regelmäßig als Wunschthemen in unserer Umfrage auf und stehen auch bei Libri ganz weit oben auf der Liste. Aber diese Themen sind nicht für jede Buchhandlung gleich relevant: Deshalb bieten wir sie diesmal im Rahmenprogramm an. Wir sind gespannt auf die Anmeldezahlen – auf deren Basis werden wir für die nächsten Jahre entscheiden.
Und was ist diesmal anders in der Projektgruppen-Arbeit?
Bertram Pfister: Hier hat uns das Feedback klar gezeigt, dass sich die Teilnehmenden mehr Tiefe wünschen – dafür hat die Zeit in den Projektgruppen bisher nicht gereicht. Es geht nicht nur um die Entwicklung von Ideen, sondern auch darum, sie in die Tat umzusetzen, Erfahrungen zu sammeln, nachzujustieren und so weiter. Diese Zeit wollen wir den Projektbuchhändler*innen künftig geben. Von gut erprobten Ansätzen wird die gesamte Campus-Community profitieren!
„Gute Projekte brauchen Zeit. Die nehmen wir uns jetzt.“
Das neue Thema heißt „TETRIS“. Worum geht es?
Bertram Pfister: Da werden Dinge wie die Warengruppen-Entwicklung berücksichtigt, z. B. die gesunkenen Umsatzzahlen in der Reiseabteilung und die wachsende Nachfrage nach Belletristik. Was heißt das für den Umgang mit meinen Flächen? Wieviel Platz gebe ich welchem Thema? Welche Möglichkeiten der Gestaltung habe ich? Einerseits ist das ein analytisch-betriebswirtschaftliches Thema. Andererseits geht es um Raumkonzepte: Wie schaffe ich es, dass möglichst alle Regale abgegangen werden, dass ich tote Ecken belebe, dass eine Tischpräsentation so aufregend ist, dass Leute stehen bleiben usw. Da freue ich mich persönlich schon sehr auf den Beitrag „Buchwelten inszenieren“ am Freitag.
Nach welchen Kriterien werden die fünf Buchhandlungen ausgewählt?
Bertram Pfister: Wir möchten immer eine große Bandbreite abbilden – kleine und große Buchhandlungen, ländliches und urbanes Umfeld usw. Und es muss im Vorfeld klar sein, dass das Projekt eine gewisse Verbindlichkeit und die Bereitschaft erfordert, regelmäßig daran zu arbeiten. Dann haben alle Beteiligten unglaublich viel davon.
„Dieses Gefühl steckt einfach an!“
Worauf freuen Sie sich besonders?
Bertram Pfister: Dass es uns gelingt, mit unserem vielfältigen Programm den Begriff der Neugier mit Leben zu füllen, darauf freue ich mich!
Caren Degen: Ich freue mich auf alle Buchhändler*innen, die mit Offenheit nach Bad Hersfeld kommen und sich auf unsere neuen Formate einlassen. Die Campus-Community ist großartig, da kann viel Gutes in Gang kommen.
Robert Duchstein: Ja, dieser Vibe ist wirklich einzigartig – man merkt, dass die Leute Lust haben, sich zu vernetzen, mitzumachen, neue Impulse mitzunehmen. Das steckt einfach an!