Die Unsicherheits-Dimensionen

Die Unsicherheit in dieser turbulenten Zeit scheint fasst mit Händen greifbar zu sein. Wir haben uns daran gemacht, sie sogar messbar zu machen. Im Rahmen des Libri.Campus live 2020 hat Dr. Carl Naughton die 4 Dimensionen der Unsicherheit (4DU) sichtbar gemacht. Das war spannend. Denn wir konnten abbilden, wie die Teilnehmer*innen sich in den einzelnen Dimensionen unterschieden. Die zentrale Frage war dementsprechend nicht „Wann gehen diese Unsicherheiten weg?“, sondern „Wie gehen wir damit um?“. Hier kommen die Ergebnisse und die Lösungstools.

Wissensunsicherheit

Diese bezieht sich auf den Mangel an Infos oder Erfahrung zur Einschätzung einer aktuellen Situation. Also die Frage: „Worum geht´s?“. Sie war bei den Teilnehmer*innen sichtbar stark ausgeprägt.

Eine hohe Ausprägung wird üblicherweise als Folge unserer digitalisierten Wissensgesellschaft interpretiert. Wir haben das Gefühl, Zugang zu allen Infos zu haben. Nur verunsichert uns, dass wir nicht wissen, wo wir sie finden. Auf der anderen Seite gibt es ein Zuviel an Information. Mit anderen Worten: Wir wissen nicht, was wir suchen wollen. Dem können wir begegnen, indem wir uns vor der Suche nach den Antworten zuerst einmal auf die Suche nach den guten Fragen machen. Das zugehörige „Question Storming“ hat 5 klare Schritte.

  1. Den Fragefokus definieren (statt „Wie können wir….“ Formulieren Sie „Wir sind/können nicht/ haben….“
  2. Fragen sammeln
  3. Fragen auswählen
  4. Antworten suchen
  5. Next Steps definieren.

Der Fragefokus ist eine Aussage, die uns maximal anstachelt, so viele gute Fragen wie möglich zu finden, dann zu schauen, welche Fragen die ausschlaggebenden sind und dann erst auf die Suche nach Antworten zu gehen.

Zukunftsunsicherheit

Im Zentrum stehen hier Unwägbarkeiten der weiteren Entwicklung unserer Situation, die Frage: „Wie wird´s?“. Diese Unsicherheit machte den Befragten sichtbar weniger zu schaffen.

Eine mögliche Erklärung: Sie sind es eher gewohnt Zukunftsentscheidungen für ihr Geschäft zu fällen. Allerdings gab es auch Menschen, die sichtbar mehr Unsicherheit verspüren. Meist entstammt diese unserer Fähigkeit zu „Emotionsregulierung“, zum gezielten Umgang mit unseren Emotionen. Und dass Gefühle im Rahmen von Unsicherheit selten ein guter Ratgeber sind, liegt auch ohne Forschung auf der Hand. Was können wir tun? Die „10/10/10 Methode“ hilft.

Sie nehmen Ihre Entscheidung und fragen sich:

  1. Wie wirst Du dich nach 10 Minuten mit dieser Entscheidung fühlen?
  2. Wie wirst Du dich nach 10 Monaten mit dieser Entscheidung fühlen?
  3. Wie wirst Du dich nach 10 Jahren mit dieser Entscheidung fühlen?

Sie merken: Die unterschiedlichen zeitlichen Rahmen wirken direkt auf unsere gefühlsmäßige Einschätzung der Entscheidungskonsequenzen.

Handlungsunsicherheit

Diese dreht sich um die Frage: „Was kann ich tun?“, also unsere Möglichkeiten, unsere Situation aktiv zu ändern. Auch diese Unsicherheit ist sichtbar weniger stark.

In großen Teilen wissen die Teilnehmer*innen scheinbar um ihr Können und ihre Fähigkeiten. Die Interviews im Rahmen des Libri Campus zeigten das eindrücklich. Allerdings zeigt die Befragung auch eine große Spannbreite in den Antworten. Hier bietet sich eine Art „Zukunftssicherheit“-Speeddating an. Im Rahmen eines Libri.Campus live könnten sich Menschen mit unterschiedlichsten Ausprägungen gezielt finden und austauschen.

Folgenunsicherheit

Diese entsteht, wenn wir die Konsequenzen nicht abschätzen können, also die Frage „Was folgt daraus?“. Hier zeigten sich die stärksten Ausprägungen.

Und in der Tat, in Konsequenzen zu denken ist für das menschliche Hirn echt schwer. Beispiel: In einer deutschen Kleinstadt wollte der Bürgermeister den Anteil an Grünfläche erhöhen. Ein entsprechender Erlass bestimmte, dass Bäume, die älter als 10 Jahren waren nur noch mit besonderer Genehmigung gefällt werden durften. Tatsächlich aber wurden plötzlich sehr viel mehr Bäume gefällt. Warum? „Wenn“, so dachten die Baumbesitzer, „ich meine Bäume nicht mehr fällen kann, nur weil sie 10 Jahre alt sind, dann haue ich sie lieber jetzt direkt um.“ Hätte das Amt in den Konsequenzen der Lösung gedacht, wäre ihnen das auch klar geworden und die Bäume wären noch am Leben. Dieser Logik des Misslingens können wir die drei Schritte der Technik Folgen von Folgen entgegensetzen.

  1. Ziel – Was ist mein Ziel?
  2. Lösung – Wie sieht meine Entscheidung für die Lösung aus?
  3. Konsequenz der Lösung – Welche weiteren Konsequenzen hat meine Lösung für das weitere Umfeld meiner Entscheidung?

Fazit: Unsicherheit, Unwägbarkeit, das Nicht-Sicher-Sein über das, was kommt und was es mit sich bringt, werden immer uns sein. Wenn wir ein paar hirngerechte Lösungen beachten, machen wir es uns, unseren Kollegen und Kunden sehr viel leichter. Bleiben Sie heiter, denken Sie weiter!

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Während des Libri.Campus live haben die Teilnehmenden an einer Umfrage zu den Unsicherheits-Dimensionen teilgenommen. Die vollständige Ergebnis-Präsentation von Dr. Carl Naughton auf der Abschlussveranstaltung können Sie hier ansehen:

Den Vortrag zu den Unsicherheits-Dimensionen finden Sie hier (ab Minute 11).