Warum wird in der Familie getuschelt, wenn die Sprache auf Marie kommt? Wer war sie denn wirklich, die Großtante? Und wer war Magdalena?
Kerstin Schneider will es wissen - und stößt auf ein sorgfältig gehütetes Geheimnis. Auf die Geschichte zweier Frauen, die beide als "verrückt" galten, über deren Schicksal der Zeitgeist aber unterschiedlich richtete. Magdalena Kade glaubte 1866, die Mutter Gottes zu sehen, und ihre Großnichte Marie bildete sich 1928 ein, sie sei Jesus. Doch während Magdalena, von vielen katholischen Gläubigen noch heute als "böhmische Bernadette" verehrt wird, wurde Marie von den Nazis als "lebensunwertes Leben" ermordet. Beide, Magdalena und Marie, hatten eine Krankheit - sie waren schizophren und "erblich belastet". Doch während Magdalena heute in einer Gruft einer Basilika aufgebahrt liegt, ist Maries Grab unbekannt.
Kerstin Schneider führt uns mitten hinein in zwei aufregende Frauenschicksale aus einer Familie - und erzählt von Marie, Magdalena und deren Welten, und bringt im Buche zwei Frauen zusammen, deren Wege sich vor Gott und auf Erden nicht kreuzen konnten.
"Marie ist Mitglied in der Gemeinschaft in Christo Jesu. In der Fabrik haben die Arbeiter sie deshalb ausgelacht. Marie hat sehr darunter gelitten."
Kerstin Schneider, geboren 1965 in Bremen, schrieb als Journalistin u.a. für die taz und Radio Bremen, ist seit 1999 Redakteurin beim "Stern", Ressort "Deutschland und Gesellschaft".