Erstmals auf Deutsch: zwölf kurze Meisterwerke mit Inspector John Rebus
"Das war eindeutig Mord", erkennt der Fachmann - und das gleich in mehreren Fällen. John Rebus, der eigenwillige Detective aus Edinburgh, durchstreift die dunklen Gassen seiner Heimstadt auf der Suche nach Motiven, Tätern und verborgenen Indizien. Egal, ob ein Student erhängt an einem Galgen gefunden wird, ob es um einen Geist geht oder ein vermeintliches Attentat: Detecive Rebus kommt der Wahrheit mit Geduld und Sturheit auf die Spur ...
Ian Rankin gilt als "der führende Krimiautor Großbritanniens" (Times Literary Supplement). Er wurde 1960 im schottischen Fife geboren, lebte in Edinburgh und London, bevor er mit seiner Familie für sechs Jahre nach Südfrankreich zog. Sein erster Roman erschien 1986 und wurde sogleich von der Kritik gefeiert. Der internationale Durchbruch gelang Ian Rankin schließlich mit seinem melancholischen Serienhelden John Rebus, der mittlerweile aus den britischen Bestsellerlisten nicht mehr wegzudenken ist. Rankin wurde bereits mit dem begehrten Golden Dagger Award der Crime Writers Association of America ausgezeichnet, für den Edgar Allan Poe Award nominiert, zum Hawthornden Fellow gewählt und mit dem Chandler-Fulbright Award geehrt.
Playback
Es war der perfekte Mord. Perfekt jedenfalls aus der Warte der Polizei von Lothian and Borders. Der Mörder hatte angerufen und ein Geständnis abgelegt, war dann in Panik geraten und hatte versucht zu entkommen, nur um beim Verlassen des Tatorts gefasst zu werden. Ende der Geschichte. Bloß, dass er jetzt seine Unschuld beteuerte. Sie beteuerte, in die Welt hinausschrie und -brüllte. Und das gab Detective Inspector John Rebus zu denken, gab ihm den ganzen Weg von seinem Büro bis zum vierstöckigen Mietshaus im trendigen Hafenbezirk von Leith über zu denken. Die Mietshäuser sahen hier praktisch genauso aus wie in jedem anderen Edinburgher Arbeiterviertel auch, außer dass sie mit knallbunten Rollläden oder chinesischen Bambusdingern an den Fenstern prahlten, ihre verrußten Steinfassaden mit dem Hochdruckreiniger abgespritzt worden waren und ihre Türen jetzt eindringlingsichere Gegensprechanlagen besaßen. Schon was anderes als die schmierigen Jalousien und eingetretenen Haustüren der Mietskasernen in der Easter Road oder in Gorgie, oder sogar in den angrenzenden Vierteln von Leith selbst, die sich die Immobilienspekulanten noch nicht vorgenommen hatten. Das Opfer, so viel wusste Rebus, hatte als Anwaltssekretärin gearbeitet. Sie war vierundzwanzig Jahre alt gewesen. Ihr Name war Moira Bitter. Darüber musste Rebus lächeln. Es war ein schuldbewusstes Lächeln, aber so früh am Morgen war jede Art von Lächeln bei ihm schon ein mittleres Wunder. Er parkte vor dem Mietshaus, von einem Uniformierten eingewiesen, der die übel verbeulte Stoßstange von Rebus' Wagen erkannt hatte. Es ging das Gerücht, die Beule rühre daher, dass er zu viele alte Damen über den Haufen gefahren habe, und warum hätte Rebus das bestreiten sollen? Das war der Stoff, aus dem Mythen entstanden, und solche Mythen erhöhten sein Ansehen bei den eingeschüchterten jungen Rekruten. An einem der Erdgeschossfenster bewegte sich eine Gardine, und Rebus sah für eine
n Augenblick eine ältere Dame. Jedes Mietshaus, ob aufgemotzt oder nicht, verfügte offenbar über eine hauseigene ältere Dame. Alleinstehend, mit einem Hund oder vier Katzen als Gesellschaft, war sie Auge und Ohr des Gebäudes. Als Rebus den Hausflur betrat, öffnete sich eine Tür, und die alte Dame streckte den Kopf heraus. Er wollte weglaufen, flüsterte sie. Aber der Bobby hat ihn geschnappt. Ich hab's gesehen. Ist das Mädel tot? Geht's darum? Ihre Lippen waren in sensationsgierigem Grauen geschürzt. Rebus lächelte, sagte aber nichts. Sie würde es schon noch früh genug erfahren. Sie schien schon jetzt so viel wie er selbst zu wissen. Das war das Problem, wenn man in einer Stadt von der Größe einer Kleinstadt wohnte, einer Kleinstadt mit einer Dorfmentalität. Während er langsam die vier Treppen hinaufstieg, hörte er sich den Bericht des Constable an, der ihn unerbittlich dahin führte, wo die Leiche der Moira Bitter lag. Sie sprachen mit gedämpfter Stimme - Treppenhauswände hatten Ohren. Der Anruf kam um fünf Uhr, Sir, erklärte PC MacManus. Der Anrufer gab seinen Namen mit John MacFarlane an und sagte, er habe gerade seine Freundin ermordet. Er soll sehr verwirrt geklungen haben, und ich erhielt per Funk den Auftrag, der Sache nachzugehen. Als ich eintraf, kam ein Mann gerade die Treppe heruntergerannt. Er schien unter Schock zu stehen. Schock? Irgendwie durcheinander, Sir. Hat er etwas gesagt?, fragte Rebus. Ja, Sir, er sagte:>Gott sei Dank, dass Sie da sind. Moira ist tot.Rebus nickte. MacManus war ein Muster an Effizienz, nie ein falsches Wort, immer genau der richtige Ton. Alles streng nach Lehrbuch und durch nicht allzu viel eigenes Nachdenken beeinträchtigt. Er würde es als Uniformierter weit bringen, aber Rebus bezweifelte, dass der junge Mann es je zum CID schaffte. Als sie den vierten Stock erreichten, verschnaufte Rebus kurz und betrat dann die Wohnung. Die Pastelltöne der Diele setzten sich im Wohn- und Schlafzimmer fort. Gedämpft
e Farben, zugleich warm und dezent. Das Blut hatte allerdings nichts Dezentes an sich. Blut gab es reichlich. Moira Bitter lag quer hingestreckt auf ihrem Bett, ihre Brust eine einzige Farborgie. Sie trug einen apfelgrünen Pyjama, und ihr Haar war seidig blond. Der Polizeipathologe untersuchte gerade ihren Kopf. Sie ist seit ungefähr drei Stunden tot, teilte er Rebus mit. Drei oder vier Einstiche mit einem kleinen scharfen Gegenstand, den ich der Einfachheit halber als Messer bezeichnen werde. Nach der Obduktion kann ich Genaueres sagen. Rebus nickte und wandte sich MacManus zu, dessen Gesicht eine ungesunde graue Färbung angenommen hatte. Ihr erstes Mal?, fragte Rebus. Der Constable nickte bedächtig. Machen Sie sich nichts draus, fuhr Rebus fort. Man gewöhnt sich sowieso nie daran. Kommen Sie. Er führte den Constable aus dem Zimmer und zurück in die kleine Diele. Dieser Mann, den wir festgenommen haben, wie war noch mal sein Name? John MacFarlane, Sir, antwortete der Constable, tief durchatmend. Er ist offenbar der Freund der Verstorbenen. Sie sagten, er schien unter Schock zu stehen. Ist Ihnen sonst noch etwas aufgefallen? Der Constable runzelte konzentriert die Stirn. Zum Beispiel, Sir?, fragte er endlich. Blut, sagte Rebus kühl. Man kann nicht im Affekt auf jemanden einstechen, ohne Blutspritzer abzubekommen. MacManus schwieg. Eindeutig kein CID-Material, und möglicherweise zum allerersten Mal mit dieser Erkenntnis konfrontiert. Rebus ließ ihn stehen und betrat das Wohnzimmer. Es wirkte fast zwanghaft ordentlich. Illustrierte und Zeitungen in ihrem Ständer neben dem Sofa. Ein Couchtisch aus Chrom und Glas, darauf nichts anderes als ein sauberer Aschenbecher und ein Liebesromänchen. Das Ganze hätte geradewegs aus einer Schöner-Wohnen-Ausstellung stammen können. Keine Familienfotos, keinerlei Krimskrams. Das war die Behausung einer Individualistin. Keinerlei Bindungen an die Vergangenheit, und eine Gegenwart, die en bloc im Einricht
ungsdiscounter erworben worden war. Nichts deutete auf einen Kampf hin. Nichts deutete überhaupt auf irgendeine Form von Begegnung hin: keine Gläser oder Kaffeetassen. Der Mörder hatte sich nicht unnötig lang in der Wohnung aufgehalten, oder falls doch, hatte er dabei sehr darauf geachtet, keine Unordnung zu hinterlassen. Rebus ging in die Küche. Auch sie war tadellos aufgeräumt. Tassen und Teller, neben der leeren Spüle zum Trocknen gestapelt. Im Abtropfgestell Messer, Gabeln, Teelöffel. Keine Mordwaffe. In und neben der Spüle gab es Wasserspritzer, aber Geschirr und Besteck sahen trocken aus. Hinter der Tür hing ein Geschirrtuch, und Rebus tastete es ab. Es war feucht. Er nahm es sich gründlicher vor und entdeckte einen kleinen Fleck. Vielleicht Soße oder Schokolade. Oder Blut. Jemand hatte vor kurzem etwas damit abgetrocknet - aber was? Er ging zur Besteckschublade und zog sie auf. Unter verschiedenen anderen Dingen lag darin ein Gemüsemesser mit kurzer Klinge und einem schweren schwarzen Griff. Ein Qualitätsmesser, scharf und blank. Alle übrigen Besteckstücke in der Schublade waren knochentrocken, aber der Holzgriff dieses Gemüsemessers fühlte sich feucht an. Rebus war sich sicher: Er hatte die Mordwaffe gefunden. Aber clever von MacFarlane, das Messer gereinigt und wieder weggeräumt zu haben. Gelassen und ruhig gehandelt. Moira Bitter war seit drei Stunden tot. Der Anruf war vor einer Stunde bei der Polizeiwache eingegangen. Was hatte MacFarlane während der verbliebenen zwei Stunden gemacht? Die Wohnung geputzt? Das Geschirr gespült und abgetrocknet? Rebus warf einen Blick in den Abfalleimer, fand aber keine weiteren Spuren, keine zerbrochenen Nippes, nichts, was auf einen Kampf hingedeutet hätte. Und wenn es keinen Kampf gegeben hatte, wenn der Mörder in das Haus und in Moira Bitters Wohnung gelangt war, ohne Gewalt anwenden zu müssen ... " wenn all das zutraf, dann hatte Moira ihren Mörder gekannt. Rebus ging den Rest der Wohnung ab, fand aber
keine weiteren Spuren. Neben dem Telefon, in der Diele, befand sich ein Anrufbeantworter. Er spielte das Band ab und hörte Moira Bitters Stimme. Hallo, hier ist Moira. Ich bin nicht da, im Bad oder anderweitig beschäftigt. (Ein Kichern.) Hinterlassen Sie eine Nachricht, und ich rufe Sie zurück, sofern Sie nicht wie ein Langweiler klingen. Es gab nur eine Nachricht. Rebus hörte sie ab, spulte dann das Band zurück und hörte sie sich noch einmal an. Hallo, Moira, John hier. Ich hab deine Nachricht erhalten. Ich komm vorbei. Ich hoffe, du bist nicht anderweitig beschäftigte Ich liebe dich. John MacFarlane: Rebus zweifelte nicht an der Identität des Anrufers. Moira klang auf ihrer Ansage frech und unbekümmert. Aber deutete MacFarlanes Reaktion auf Eifersucht hin? Vielleicht war sie ja anderweitig beschäftigt gewesen, als er auftauchte. Er hatte die Beherrschung verloren, blinde Wut, ein griffbereit liegendes Messer. Rebus hatte das alles schon erlebt. Die meisten Opfer kannten ihre Mörder. Wäre das nicht der Fall, würde die Polizei nicht so viele Verbrechen aufklären. Das war eine schlichte und einfache Tatsache. Man verrammelte seine Tür vor dem Psychopathen mit der Kettensäge, nur um vom Liebhaber, Ehemann, Sohn oder Nachbar ein Messer in den Rücken zu kriegen. John MacFarlane war so schuldig, da biss die Maus keinen Faden ab. Man würde Blut an seiner Kleidung finden, auch wenn er versucht hatte, es zu entfernen. Er hatte seine Freundin erstochen, sich dann beruhigt und die Polizei angerufen, um die Tat anzuzeigen, es dann aber mit der Angst zu tun bekommen und versucht zu fliehen. Die einzige Frage, die Rebus noch beschäftigte, war das Warum. Das Warum und diese zwei fehlenden Stunden.
Edinburgh bei Nacht. Ein gelegentliches Taxi, das über Kopfsteinpflaster holperte, und einsame dunkle Gestalten, die mit Händen in den Taschen und hochgezogenen Schultern nach Hause schlurften. Während der Nachtstunden starben die Kranken und Alten
friedlich, sei es zu Hause oder in irgendeinem Krankenhauszimmer. Zwei bis vier Uhr früh: die toten Stunden. Und dann starben einige qualvoll, das nackte Grauen in den Augen. Die Taxis rumpelten weiter vorüber, die Nachtmenschen gingen weiter ihrer Wege. Rebus hockte in seinem Auto, wartete vor Ampeln, verpasste das Grün, kam erst wieder zu sich, wenn Gelb erneut auf Rot schaltete. Die Glasgow Rangers kamen am Samstag in die Stadt. Es würde gewalttätige Ausschreitungen geben. Der Gedanke beunruhigte Rebus nicht weiter. Selbst der übelste Hooligan hätte wahrscheinlich nicht mit einer solchen Blutrünstigkeit wie Moira Bitters Mörder zustechen können. Rebus senkte den Blick. Er steigerte sich bewusst in Wut hinein, Lust auf Konfrontation. Auf Konfrontation mit dem Mörder.
John MacFarlane weinte, als man ihn in den Vernehmungsraum führte, wo Rebus es sich, Zigarette in der einen, Kaffee in der anderen Hand, demonstrativ bequem gemacht hatte. Rebus hatte alles Mögliche erwartet, aber keine Tränen. Möchten Sie etwas trinken?, fragte er. MacFarlane schüttelte den Kopf. Er war auf seinem Stuhl auf der anderen Seite des Tisches in sich zusammengesackt, mit hängenden Schultern, gesenktem Kopf, und kämpfte weiterhin mit den Tränen. Er murmelte etwas. Das habe ich nicht verstanden, sagte Rebus. Ich hab gesagt, dass ich es nicht war, antwortete MacFarlane leise. Wie hätte ich es tun können? Ich liebe Moira. Rebus nahm das Präsens zur Kenntnis. Er deutete auf das Bandgerät auf dem Tisch. Haben Sie etwas dagegen, wenn ich unser Gespräch aufzeichne? Wieder schüttelte MacFarlane den Kopf. Rebus schaltete das Gerät ein. Er schnippte Zigarettenasche auf den Fußboden, nahm einen Schluck von seinem Kaffee und wartete. Schließlich sah MacFarlane auf. Seine Augen waren rot. Rebus starrte scharf in diese Augen, sagte aber immer noch nichts. Mac-Farlane schien sich allmählich zu beruhigen und auch zu wissen, was von ihm erwartet wurde. Er bat um eine Z
igarette, bekam eine und begann zu reden. Ich war im Wagen unterwegs gewesen. Bin einfach so rumgefahren und hab nachgedacht. Rebus unterbrach ihn. Um wie viel Uhr war das? Na ja, antwortete MacFarlane, seit ich von der Arbeit weg bin, würde ich sagen. Ich bin Architekt. Zurzeit läuft die Ausschreibung für den Entwurf eines neuen Kunstgalerie- und Museumskomplexes in Stirling. Unsere Firma will sich bewerben. Wir hatten fast den ganzen Tag über Ideen diskutiert, Sie wissen schon, ein Brainstorming veranstaltet. Rebus nickte. Brainstorming: interessantes Wort. Und nach der Arbeit, fuhr MacFarlane fort, war ich so aufgedreht, dass ich einfach nur herumfahren wollte. Mir die verschiedenen Optionen und Pläne durch den Kopf gehen lassen. Mir überlegen, welcher davon der überzeugendste war - Er unterbrach sich, vielleicht weil ihm bewusst wurde, dass er zu hastig redete, ohne nachzudenken oder sich vorzusehen. Er schluckte und zog an seiner Zigarette. Rebus musterte währenddessen MacFarlanes Kleidung. Teure Budapester, braune Kordhose, ein weißes Hemd aus schwerer Baumwolle, wie es Kricketspieler trugen, am Hals offen, ein maßgeschneidertes Tweedjackett. MacFarlanes 3er BMW stand in der Polizeiwerkstatt, wo er momentan unter die Lupe genommen wurde. Man hatte seine Taschen geleert, seine gemusterte Liberty-Krawatte konfisziert, für den Fall, dass er auf die Idee kommen sollte, sich aufzuhängen. Die Schnürsenkel seiner Schuhe hatte man ihm bei der Gelegenheit ebenfalls abgenommen. Rebus hatte sich angesehen, was man bei ihm gefunden hatte: eine Brieftasche, die nicht gerade von Geldscheinen überquoll, aber eine ordentliche Auswahl an Kreditkarten enthielt. Weitere Karten steckten in seinem Terminplaner. Rebus blätterte die Tageskalenderseiten durch, schaute sich dann den Notizen- und Adressenteil an. MacFarlane schien ein reges, aber durchaus normales Privatleben zu führen. Jetzt musterte Rebus ihn selbst über den alten Tisch hinweg. MacFarlane war
gut gebaut, auch gut aussehend, wenn man auf den Typ stand. Er wirkte kräftig, aber nicht brutal. Wahrscheinlich würde er als der Yuppie-Killer in die lokalen Schlagzeilen kommen. Rebus drückte seine Zigarette aus. Wir wissen, dass Sie es getan haben, John. Das steht gar nicht zur Debatte. Wir wollen lediglich wissen, warum. MacFarlanes Stimme zitterte. Ich schwöre, ich war's nicht, ich schwöre es. Sie werden sich schon ein bisschen mehr einfallen lassen müssen. Rebus schwieg ein Weilchen. Tränen fielen auf MacFarlanes Kordhose. Erzählen Sie weiter, sagte er. MacFarlane zuckte die Schultern. Das war's in etwa, erklärte er und wischte sich die Nase mit dem Hemdsärmel ab. Rebus half ihm auf die Sprünge. Sie haben nirgendwo angehalten, um zu tanken, etwas zu essen oder sonst was in der Art? Er klang skeptisch. MacFarlane schüttelte den Kopf. Nein, ich bin einfach nur gefahren, bis ich wieder einen klaren Kopf hatte. Ich bin bis ganz rauf zur Forth Road Bridge. Bin abgebogen und rein nach Queensferry. Bin ausgestiegen, um einen Blick aufs Wasser zu werfen. Hab ein paar Steine reingeworfen, weil's Glück bringt. Er lächelte bitter. Dann bin ich die Küstenstraße entlang und zurück nach Edinburgh. Und niemand hat Sie gesehen? Sie haben mit niemandem gesprochen? Nicht, soweit ich mich erinnern kann. Und Sie sind nicht irgendwann hungrig geworden? Rebus klang absolut nicht überzeugt. Wir hatten ein Geschäftsessen mit einem Kunden gehabt. Wir waren im Eyrie. Nach einem Lunch dort habe ich selten vor dem nächsten Morgen wieder Hunger. Der Eyrie war Edinburghs teuerstes Restaurant. Man ging da nicht hin, um zu essen, man ging dahin, um Geld auszugeben. Rebus hätte jetzt durchaus was zwischen die Zähne gebrauchen können. Die Bacon-Sandwiches, die es in der Kantine gab, waren gar nicht so übel. Wann haben Sie Miss Bitter zuletzt lebend gesehen? Beim Wort lebend schauderte MacFarlane. Seine Antwort ließ lange auf sich warten.
Rebus sah den Tonbandspulen dabei zu, wie sie sich drehten. Gestern Morgen, sagte MacFarlane endlich. Sie war über Nacht bei mir geblieben. Wie lange kannten Sie sie? Seit ungefähr einem Jahr. Aber ich hatte erst vor ein paar Monaten angefangen, mit ihr auszugehen. Ach ja? Und wie war Ihr Verhältnis bis dahin? MacFarlane schwieg kurz. Sie war Kenneths Freundin, sagte er endlich. Und Kenneth ist - Bevor MacFarlane sprach, röteten sich seine Wangen. Mein bester Freund, erwiderte er. Kenneth war mein bester Freund. Man könnte sagen, ich habe sie ihm ausgespannt. So was kommt vor, oder? Rebus hob eine Augenbraue. Tut es das?, erkundigte er sich. MacFarlane senkte erneut den Kopf. Könnte ich einen Kaffee haben?, fragte er leise. Rebus nickte und zündete sich eine weitere Zigarette an. Während MacFarlane seinen Kaffee trank, hielt er die Tasse mit beiden Händen umklammert, wie der Überlebende eines Schiffbruchs. Rebus rieb sich die Nase und streckte sich, müde. Er sah auf seine Uhr. Acht Uhr morgens. Was für ein Leben. Er hatte zwei Bacon-Brötchen verspeist, und ein dünner Streifen Schwarte ringelte sich vor ihm auf dem Teller. MacFarlane hatte nichts essen wollen, aber seine erste Tasse Kaffee in zwei großen Schlucken geleert und dankbar eine zweite angenommen. Also, sagte Rebus, Sie sind in die Stadt zurückgefahren. Ja. MacFarlane nahm einen weiteren Schluck Kaffee. Ich weiß nicht, warum, aber mir kam dann der Gedanke, dass ich meinen Anrufbeantworter abhören könnte. Sie meinen, als Sie wieder zu Haus waren? MacFarlane schüttelte den Kopf. Nein, vom Wagen aus. Ich habe vom Autotelefon aus bei mir zu Hause angerufen und den Anrufbeantworter per Fernabfrage aktiviert. Rebus war beeindruckt. Raffiniert, sagte er. MacFarlane lächelte schwach, aber das Lächeln verblasste rasch. Eine der Nachrichten war von Moira, sagte er. Sie wollte mich sehen. Um die Uhrzeit? MacFarlane zuckte die Schultern. Sagte sie, warum s
ie Sie sehen wollte? Nein. Sie klang ... seltsam. Seltsam?
"Ein Fest für Rebus-Fans!" - The Herald
"Jeder, der diese Geschichten gelesen hat, wird danach zu den unzähligen Fans gehören, die ungeduldig auf den nächsten Rebus-Roman warten." - Otto Penzler
"Der König des Tartan Noir lässt seinen Detective in diesen rasanten Mini-Krimis Brandstiftung, Geistererscheinungen, ehemalige Betrügern und den scheinbar perfekten Mord unter die Lupe nehmen." - Publishers Weekly