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Juni 2006 - kartoniert - 79 Seiten
Lange bevor sich die beiden St. Petersburger Dichterinnen Jelena Schwarz und Olga Martynova im Winter 2001 in Rom begegneten und sich nachträglich die hier enstandenen Gedichte widmeten, waren sie längst dagewesen: "Eine Anthologie der russischen Gedichte über Rom ergäbe einen dicken Band. Aber nicht nur die Springbrunnen und Pinien dieser Stadt rascheln in unseren Büchern, seit zwei Jahrhunderten besiedeln die Russen Roms sieben Hügel" schreibt Olga Martynova in ihrem Vorwort. Und einer Römerin, die bereits vor mehr als zwei Jahrtausenden diese Stadt bewohnte, hatte Jelena Schwarz schon vor über zwanzig Jahren ihre Stimme geliehen. Es ist Cynthia, die bis dahin stumm gebliebene Geliebte des Properz, die in den Cynthia-Gedichten von Jelena Schwarz ihren Properz endlich auch laut besingen kann: Amor ist schrullig - ich Arme liebe ein kahles Ungetüm und Wieder kam mein Properz zu mir zurück - / So ein Glück für Cynthia! / Verkratzt ist er, verweint, abgeschabt, / kahl, schmutzig, abgemagert.
Der epische Grundton in den Gedichten Jelena Schwarz' vermag es, wie hier, Hochkultur, aber auch Biblisches schonungslos ins Persönliche, und schlicht Alltägliches in verheissungsvoll Mythisches zu wenden. Davon geprägt sind insbesondere auch die vorliegenden Gedichte aus Rom. Ja, die Stadt Rom in ihrer einzigartigen und allgegenwärtigen Mischung aus triumphaler und verrottender Geschichte scheint geradezu geschaffen für das, was sich im wachen Fokus dieser Dichterin unter der Hand ins Gedicht verwandelt. Mit grösserer kritischer Zurückhaltung, aber auch unverhohlener Faszination und Abscheu begegnet Olga Martynova dem Wunder Rom: dass der schreckliche Marmor der römischen Kolonnaden / aus der Erde ragt, als wäre da / eine Kuh verscharrt mit dem Euter nach oben.
Das geheimnisvoll Ambivalente ihrer Gedichte entsteht aus dieser Zurückhaltung, eingesponnen in winterliche Befindlichkeit, in die Erinnerung an fremde Gedichte, Städte und Lieder, und in die Freude über eine Begegnung, die hier stattfand und Früchte trug. Olga Martynova und Jelena Schwarz versprachen sich nach ihrem Zusammentreffen in Rom, die Gedichte, die in dieser Zeit entstanden waren, in einem Buch zusammenzuführen.
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