Bewertung schreiben
Schreiben Sie eine Bewertung für: Die Wissenschaft der Gesellschaft
Nur die mit fett gekennzeichneten Felder müssen ausgefüllt werden!
April 2009 - kartoniert - 732 Seiten
Absicht dieses Buches ist es, zwei verschiedene Theoriebereiche zu verknüpfen, und entsprechend kann man es von zwei verschiedenen Ausgangspunkten her lesen. Einmal handelt es sich um einen Beitrag zur Gesellschaftstheorie. Die Gesellschaft modernen Zuschnitts wird als funktional differenziertes Sozialsystem aufgefaßt und Wissenschaft folglich als eines der Teilsysteme dieses umfassenden Sozialsystems. Mit Hilfe des Konzepts der Systemdifferenzierung kann man etwas über die Gesellschaft lernen, die solche Differenzierung aushält, ja fördert und sich seit langem auf eine Autonomie ihrer Funktionssysteme eingestellt hat. Im gleichen Zuge erfährt man aber auch etwas über die Funktionssysteme, hier die Wissenschaft, die zu Selbstorganisation, ja zur eigenen Produktion ihrer eigenen Elemente freigestellt sind.
Der andere Ausgangspunkt liegt in Diskussionen, die seit der Mitte des vorigen Jahrhunderts unter Bezeichnungen wie Erkenntnistheorie oder Epistemologie geführt werden. Hier zeichnen sich heute Trends zu "konstruktivistischen" Konzepten ab, die auf idealistische oder transzendentale (und in diesem Sinne subjektive) Begründung verzichten und statt dessen durchaus reale Systeme voraussetzen, die eigene Beobachtungen an eigenen Konstruktionen orientieren und orientieren müssen, weil sie keinen eigenen Zugang zur Umwelt haben.
Im Kontext einer allgemeinen Theorie autopoietischer Sozialsysteme beschreibt Luhmann die Wissenschaft als ein Funktionssystem der (modernen) Gesellschaft, das sich unter historisch vorliegenden gesellschaftlichen Rahmenbedingungen zu eigener operativer Geschlossenheit ausdifferenziert hat, also selbst diskriminiert, was wahr und was unwahr ist. Wie das möglich ist, ist das Thema seiner Untersuchungen.
Mit anderen Worten: Luhmann versucht, die Theorie der funktionalen Differenzierung mit dem heute unausweichlichen Radikalismus erkenntnistheoretischer Fragestellungen zusammenzuschließen, aus dem einen Konzept auf das andere zu schließen und wieder zurück. Primär handelt es sich um einen Beitrag zur Theorie der modernen Gesellschaft. Aber es soll dabei zugleich deutlich werden, welche erkenntnistheoretischen Konzepte diese Gesellschaft aufgrund der Form ihrer Differenzierung erzeugt und im Nebenertrag: wie unzureichend es ist, es bei Begriffen wie Relativismus, Pluralismus oder Postmoderne zu belassen.
ISBN 3-518-28601-3
Anzahl der Meinungen insgesamt: 0