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September 2001 - gebunden - 331 Seiten
Ich erinnere nur daran, wo Walter Ulbricht in Dresden war und sagte, wenn ich mit meinem Auto an der Sophienkirche vorbeifahre, möchte ich am liebsten das Ding umfahren. Wir streiten uns schon jahrelang wegen der Sophienkirche herum. [...] Die Sophienkirche wird uns ein ewiges Hindernis sein. Die Herbststürme kommen, bald muß die Kirche eben mal fallen, obwohl einige sagen, die Mauern hielten noch 1000 Jahre. Wir haben eine sozialistische Stadt, und da muß die Sophienkirche fallen.
Schading, Mitglied der Stadtleitung der SED Dresden,
auf einer Diskussion zum Aufbau des Stadtzentrums am
18. September 1958
Wenn von der Zerstörung Dresdens die Rede ist, wird gemeinhin auf den vernichtenden Bombenangriff vom 13. Februar 1945 verwiesen. Lange unbekannt war, daß sich auch nach dem Ende des Krieges der Verlust historischer Bausubstanz fortsetzte. Dresden sollte, wie viele Städte in der DDR, eine sozialistische Metropole werden; ein von der Ideologie geprägtes Vorhaben, dem zahlreiche Denkmale, insbesondere im Zeitraum 1949 bis 1968, endgültig zum Opfer fielen.
Unter Hinzuziehung vorher zumeist unveröffentlichter Dokumente beschreibt Matthias Lerm, auf welch hemmungslose Weise die politische Indoktrination auch im Bereich der Stadtgestaltung um sich griff, so daß die wenigen Versuche des Widerstandes oft zum Scheitern verurteilt waren - beispielsweise die Bemühungen um die Rettung eines der ältesten Bauwerke Dresdens, der am Zwinger gelegenen Sophienkirche. Lerm schlägt einen Bogen vom Wandel der Stadt, den Leitbildern und Planungen, die bereits vor 1945 auch im historischen Zentrum Spuren hinterließen, über die unmittelbaren Folgen der Bombardierungen, den Widerstreit der Aufbau-Konzepte bis hin zu den Träumen in Beton, die ab den sechziger Jahren stilprägend wurden. Und er läßt jüngste Entwicklungen nicht aus, die in manchen Fällen wiederum ein Maßhalten vermissen lassen. So etwa in der Zeittafel, die Abrisse wichtiger Baudenkmale bis in das Jahr 2000 auflistet.
1993 erstmals erschienen, avancierte das Buch innerhalb weniger Wochen zu einem der am meisten beachteten über die jüngere Geschichte Dresdens, löste Diskussionen aus, die bis in heutige Zeit fortwirken und sich nicht nur auf die Region beschränken. Ein Standardwerk, das Entwicklungen aufzeigt, wie sie teilweise, wenn auch unter anderen Vorzeichen, gleichfalls im Westen Deutschlands zu beobachten waren. Und eine spannende Abhandlung, die Fachleuten und der breiten Leserschaft nun als erweiterte Neuausgabe vorgelegt wird.
Matthias Lerm,
geboren 1965, studierte Architektur und arbeitete als wissenschaftlicher Assistent an der TU Dresden. 1994 Promotion über den Städtebau in Dresden nach dem Zweiten Weltkrieg. 1995 Forschungsjahr in New York. Zahlreiche, mehrfach ausgezeichnete Bauentwürfe und verschiedene Publikationen zum Thema Städtebau und Stadtplanung. Matthias Lerm ist heute im Stadtplanungsamt Dresden mit Aufgaben der Innenstadtentwicklung betraut.
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