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Mai 1995 - kartoniert - 352 Seiten
Der berühmte Dirigent Wellauer wird während der Pause vor dem letzten Akt
der Oper La Triviata im Theater La Fenice in seiner Garderobe tot aufgefunden.
Bald steht fest, dass sein Espresso mit Zyankali versetzt war. Commissario
Brunetti stellt bei seinen Recherchen im Umfeld des Dirigenten fest, dass
dieser alles andere als beliebt war und mehrere Personen ein Interesse
daran gehabt haben könnten, den arroganten, autoritären Egozentriker zu
ermorden. Sowohl der Regisseur der Oper wie auch ein Sänger sind nicht
gut auf Wellauer zu sprechen. Zudem scheint er als Moralapostel homosexuelle
Künstler unter Druck gesetzt zu haben, insbesondere die lesbische Sopranistin
Flavia Petrelli und ihre Lebensgefährtin Brett Lynch. Brunettis Ermittlungen
werden zusätzlich erschwert durch die allseits bekannte Nazivergangenheit
des Dirigenten. Lange Zeit schwanken die Überlegungen des Ermittlers zwischen
einer Beziehungstat, politischer Rache oder möglicher Reaktion auf eine
Erpressung. Auch die sehr viel jüngere Ehefrau des Ermordeten erscheint
in ihrer kühlen Zurückhaltung verdächtig. Erst als Brunetti vom behandelnden
Arzt des Maestro erfährt, dass dieser an einer sich rapide verschlechternden
Hörschwäche gelitten habe, deren Ursache unklar sei, ändert er die Richtung
seiner Ermittlungen. Bei seinen Recherchen entdeckt er eine tieftraurige
Geschichte, die unter anderem auch den Selbstmord der ersten Ehefrau und
den Tod einer zwölfjährigen Sopranistin erklären: Wellauer war sexuell
fixiert auf junge Mädchen. Als er die Tochter seiner zweiten Ehefrau vergewaltigen
wollte, schickte sie das Kind zu ihren Eltern. Sie verordnete ihrem Mann
als Ärztin angebliche Vitaminspritzen, die sein Gehör schädigten. Als Wellauer
begriff, dass seine Frau aus Rache seine Karriere vernichten wollte, vergiftete
er sich und versuchte sie als angebliche Täterin zu belasten. In seinem
Abschlussbericht erwähnt Brunetti nichts von dem Ermittelten, um die Ehefrau
Wellauers und ihre Tochter zu schützen. Wie auch in allen folgenden Romanen
von Leon, ist die Stadt Venedig nicht nur Kulisse, sondern spielt eine
wichtige Rolle als überschaubarer Platz, an dem alle über alle alles wissen;
die ergiebigsten Ermittlungen ergeben sich aus kursierenden Gerüchten.
Bei seinen weiteren Fällen wird Brunetti immer mehr in alltägliche politische
Skandale verstrickt; oft genug steht er der Mafia, Geldwäschern, korrupten
Politikern und politischen Erpressern hilflos gegenüber. Je gesellschaftskritischer
Leon in ihren Romanen wird, desto deutlicher kristallisiert sich heraus:
Die eigentlichen Täter, die Drahtzieher im Hintergrund, entgehen stets
ihrer Bestrafung.
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