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2006 - kartoniert - 141 Seiten
»Die Hesse«, schrieb Franz Blei in seinem »Großen Bestiarium« mit ironischen Charakteristiken zeitgenössischer Autoren, sei eine liebliche Waldtaube, die dem Stadtbewohner die Sensation der Natur verschaffe, dank ganz kleiner Drüsen, »aus denen sie einen Geruch absondert, der leise an Tannenduft erinnert«. Diese Anspielung auf Hesses Herkunft aus dem nördlichen Schwarzwald und die Rolle der Natur in seinen Büchern als Korrektiv zu unseren Zivilisationsdefekten hat heute in einer Zeit rücksichtsloser Industrialisierung, verheerender Versteppungen und klimatischer Veränderungen der Erde (aufgrund bedenkenloser Rodungen der Waldbestände) zwar kaum etwas von ihrem Witz verloren, aber mehr noch an unbeabsichtigter Aktualität gewonnen. Das zeigen auch Hesses zahlreiche Betrachtungen und Gedichte über Bäume, die hier erstmals in einer charakteristischen Auswahl zusammengefaßt und mit Bildern einer jungen Photographin versehen sind. Bäume sind für Hesse Sinnbilder, die sich mit Erinnerungen verbinden, Symbole der Vergänglichkeit und Wiedergeburt, aber auch »alles Wachstums, alles triebhaften, naturhaften Lebens, aller Sorglosigkeit und geilen Fruchtbarkeit«. Sie sind für ihn Spiegel der Jahreszeiten, der Landschaften und Umweltbedingungen ihres Standorts: »In den Jahresringen und Verwachsungen steht aller Kampf, alles Leid, alle Krankheit, alles Glück und Gedeihen treu geschrieben, schmale Jahre und üppige Jahre, überstandene Angriffe, überdauerte Stürme. Und jeder Bauernjunge weiß, daß das härteste und edelste Holz die engsten Ringe hat, daß hoch auf Bergen und in immerwährender Gefahr die unzerstörbarsten, kraftvollsten, vorbildlichsten Stämme wachsen.«
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