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Juni 2000 - kartoniert - 512 Seiten
Erwerbsarbeit spielt eine zentrale Rolle für die materielle Sicherheit,
das Selbstverständnis, die Lebenschancen, die soziale Identität und gesellschaftliche
Anerkennung der meisten Menschen. Erwerbstätige ¿müssen¿ nicht nur arbeiten,
um leben zu können, sondern es wird von den Mitgliedern moderner Gesellschaften
erwartet, dass sie arbeiten ¿wollen¿; Pflichtenethiken (u.a. auch theologisch
fundierte) und geltende Normalitätsvorstellungen schreiben dies vor. Als
Norm und als Realität ist Erwerbsarbeit zentral für die Kultur und den
Zusammenhalt unserer Gesellschaft. Es gibt jedoch zwei Veränderungen, die
diese zentrale Rolle der Erwerbsarbeit in Frage stellen: Zum einen die
anhaltende Massenarbeitslosigkeit, durch die eine erhebliche Anzahl der
Menschen in unserem Teil der Welt keinen Zugang zur Arbeit und damit zu
dem hat, was für die Führung eines nach heutigen Standards sinnvollen Lebens
nötig ist. Zum anderen scheint sich der Charakter der Erwerbsarbeit zu
verändern. An die Stelle lebenslanger Tätigkeit in ein und demselben Beruf
tritt immer mehr die Abfolge unterschiedlicher Beschäftigungen in wechselnden
Arbeitsverhältnissen. Der Arbeitskraft wird "Flexibilität" abverlangt und
damit ein hohes Maß an Unsicherheit zugemutet. In diesem Buch geht es um
die Geschichte, gegenwärtige Krise und Zukunft der Arbeit. Es wird gezeigt,
wie sich das Verständnis der Arbeit in Europa seit der Antike verändert
hat und welche Wandlungsprozesse von der alteuropäischen Wirklichkeit über
das Zeitalter der Industrialisierung bis in die Gegenwart stattgefunden
haben. Der historische Zugang zur Arbeit trägt zum Verständnis der gegenwärtigen
Probleme bei und schärft den Blick für die Zukunft. So diskutieren die
Autoren nicht nur die gegenwärtige Beschäftigungskrise, sondern entwickeln
Perspektiven für einen zukünftigen Umgang mit einer veränderten Erwerbsarbeit.Das
Buch enthält Beiträge von Historikern und systematischen Sozialwissenschaftlern
und stellt die europäische Entwicklung in einen globalen Zusammenhang.
Die Beiträge von Hans Bertram, Warnfried Dettling, Richard van Dülmen,
Georg Elwert, John Gray, Karin Hausen, Martin Kohli, Wolf Lepenies, Karl-Ulrich
Mayer, Wilfried Nippel, Otto Gerhard Oexle, Richard Sennett u.a. thematisieren
Arbeit im intertemporalen und kulturellen Vergleich, beleuchten die Beschäftigungskrise
in Europa, untersuchen Bedingungen und Folgen einer Neubestimmung der Arbeit
und behandeln schließlich das Verhältnis von Arbeit, Wissen und Bindung.
Jürgen Kocka ist Professor für die Geschichte der industriellen Welt an
der FU Berlin und seit 1991 Permanent Fellow am Wissenschaftskolleg zu
Berlin. Claus Offe ist Professor für Politikwissenschaft an der Humboldt-Universität
zu Berlin.
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